Die Erfindung der Konfirmation

Rede der hessischen Justizministerin Eva Kühne-Hörmann zur Pressekonferenz des Festungsjubiläums im Jahr 2014 im Rittersaal des Schlosses.

Landgraf Philipp lehnte es im Gegensatz zu Luther und anderen Theologen ab, Menschen wegen ihres Glaubens zu töten, auch wenn er 1535 in Münster dem Bischof Franz von Waldeck half, das dort etablierte radikale Täufer-Regime zu liquidieren. In Hessen wollte er die Täufer zurückgewinnen, und tatsächlich konnte Martin Bucer 1539 in Marburg führende Vertreter der Bewegung zum Kompromiss bewegen. Ihre Gefolgsleute gliederten sich daraufhin in die evangelische Landeskirche ein. Im Gegenzug führte diese die Konfirmation ein, mit der getaufte Kinder in höherem Alter nach gründlicher Unterweisung im Katechismus ihr Glaubensbekenntnis bekräftigen; erst dann werden sie zum Abendmahl zugelassen. Die absolute Neuerung, in der Festung Ziegenhain beschlossen, verbreitete sich später in der ganzen protestantischen Welt.

 

 

 

So könnte es sich zugetragen haben als der Landgraf einen der Theologen im landgräflichen Schloss begrüßte.

Eine weitere hessische Erfindung, die 1539 ebenfalls von Theologen in Ziegenhain erarbeitet wurde, war die Schaffung des Ältesten-Amtes. Die Kirchenältesten sollten in den Gemeinden die Priester unterstützen und dabei besonders auf den Katechismusunterricht und den moralischen Lebenswandel der Gläubigen achten, etwa auf Alkoholgenuss oder Ehebruch, wie es die Täufer verlangten. Man nannte dies damals Kirchenzucht, und die beschlossenen Regeln wurden als Ziegenhainer Kirchenzuchtordnung bekannt. In ihr war auch die Einführung der Konfirmation geregelt. Ebenfalls 1539 wurde mit der Kasseler Kirchenordnung die neu entstandene Landeskirche weiter ausgestattet.

(Auszug aus dem Buch Hessen, Pionierland der Reformation von Klaus Brill)

 

Das obere Bild zeigt einen Blick in den Rittersaal des Schlosses. An diesem Ort soll die Ziegenhainer Kirchenzuchtordnung im Jahr 1539 beschlossen worden sein. Der Saal ist leider nicht öffentlich zugängig und ist ein Teil der JVA Schwalmstadt. Dort finden heute Veranstaltungen für die Insassen, wie z. B. Gottesdienste statt. Das Schloss ist seit 1842 Zuchthaus und später Justizvollzugsanstalt des Landes Hessen.

Seit vielen Jahrzehnten stellen sich die Konfirmierten nach ihrer Konfirmation zum Gruppenbild vor dem Südportal der Ziegenhainer Schlosskirche auf. Hier zwei Bilder aus dem Jahr 1972 und dem Jahr 2016.